Ein bisschen Eigeninitiative muss schon sein…

Ein bisschen Eigeninitiative muss schon sein…
Ein bisschen Eigeninitiative muss schon sein…

Geklagt hatte eine Familie aus Thüringen, die offenbar nach Ansicht des Gerichts zu wenig Eigeninitiative zeigte. Beklagte war der Reiseveranstalter.

Die Kläger hatten bei der Beklagten eine All-inclusive-Flugreise nach Antalya gebucht. Wie vom Reiseveranstalter empfohlen, hatte sich die Familie zwei Stunden vor dem Abflug am Check-In-Schalter eingefunden und in die Warteschlange gestellt. Trotzdem war die Familie nicht an Bord, als das Flugzeug abhob.

Was war passiert?

An demselben Schalter, an dem die Familie auf die Abfertigung ihres Gepäcks für ihren Flug nach Antalya wartete, wurde zusätzlich auch ein Flug nach Griechenland abgefertigt. Aufgrund der Vielzahl der Passagiere und der sehr langen Warteschlange, kam die Familie erst 25 Minuten vor dem geplanten Abflug an die Reihe. Die Familie war es nicht mehr möglich rechtzeitig zum Boarding zu gelangen. Sie verpassten ihren Flug.

Auf dem Bildschirm des Check-In-Schalters stand nur der Name der Fluggesellschaft. Weitere Informationen zur Abfertigung der Flieger nach Antalya und nach Griechenland wurden nicht angezeigt.

Dass Mitarbeiter der Beklagten an den wartenden Reisenden vorbeigingen und sie auf Zuruf darauf aufmerksam machten, dass der Flug nach Antalya kurz bevor stehe, wurde von den Klägern nicht bestritten. Zwischen den Parteien bestand aber auch ebenso Einigkeit darüber, dass den Klägern diese Information nicht zugegangen war.  Das war vermutlich aufgrund die Vielzahl wartender Fluggäste und den damit verbundenen hohen Geräuschpegel zurückzuführen.

Vor dem AG München klagte die Familie auf Minderung des Reisepreises, Ersatz für nutzlose Aufwendungen und Schadensersatz.

Das Gericht gab der Klage in weiten Teilen statt. Die Beklagte hätte den Flugreisenden ausdrücklich und für alle hörbar erklären müssen, dass Reisende für den Flug nach Antalya an der Warteschlange vorbei gehen mögen.

Ein bisschen Eigeninitiative muss schon sein…

Gleichwohl mussten sich die Kläger auch ein Mitverschulden anspruchsmindernd anrechnen lassen.

Nach der Meinung des Gerichts hätte die Familie mehr Eigeninitiative zeigen müssen. Die Familie hätte selbst aktiv werden müssen. Sie hätte beispielsweise an Mitarbeiter der Beklagten wenden müssen. So hätte sie Informationen zu den Möglichkeiten den Flug noch rechtzeitig erreichen zu können, einholen können. Wer sehenden Auges seinen Flug verpasst, könne sich anschließend nicht auf einen vollen Anspruch auf Minderung und Schadensersatz berufen.

© Rechtsanwältin Annika Dölzer