Kann ein geänderter Abflughafen einen Reisemangel darstellen?

Das Amtsgericht München hat jüngst die Frage: Kann ein geänderter Abflughafen einen Reisemangel darstellen? entschieden, dass eine Verlegung des Abflugortes nach der Buchung einer Pauschalreise einen Reisemangel darstellen kann (AG München 15.01.2018 Az.: 154 C 19092/17).

Der Reiseunternehmer habe die, durch die Änderung des Abflugortes bedingten höheren Kosten für eine Hundepension deswegen aber nicht zu übernehmen. Daher die Frage: Kann ein geänderter Abflughafen einen Reisemangel darstellen?

Der Sachverhalt:

Der Kläger buchte bei der Beklagten,  für sich und seine Familie eine Pauschalreise in die Türkei zu einem Gesamtpreis von 2.746 Euro. Die Pauschalreise beinhaltete ein „Rail&Fly“ (kostenlose Anreise mit der Deutschen Bahn). Für den Hund der Familie hatte der Kläger für die Dauer der Reise ein Platz in einer Hundepension in der Nähe des Flughafens Berlin-Schönefeld gebucht.

Kann ein geänderter Abflughafen einen Reisemangel darstellen
Kann ein geänderter Abflughafen einen Reisemangel darstellen

Der Flieger sollte am 03.06.2017 um 15:30 Uhr am Flughafen Berlin Schönefeld starten. Die Ankunft am Flughafen Antalya war für 19:40 Uhr geplant. Für den Rückflug blieb es bei dem Flughafen Berlin-Schönefeld als Zielflughafen.

In der Buchungsbestätigung hieß es unter dem Punkt Fluginformationen „Details & Flugzeiten unverbindlich“.

Im Mai wurde der Kläger von der Beklagten darüber informiert, dass sich die Flugdaten geändert hätten. Der Abflughafen sei nunmehr Leipzig. Der Abflug sei am 03.06.2017 für 14:45 Uhr geplant und die Landung in Antalya solle um 19:00 Uhr erfolgen.

Um den Flieger in Leipzig rechtzeitig zu erreichen, trat der Kläger am 03.06.2017 um 09:30 Uhr die Anreise zum Flughafen Leipzig an. Da die Tiere in der Hundepension nur ab 09:00 Uhr abgegeben werden konnten, brachte der Kläger den Hund bereits am 02.06.2017 in der Hundepension.

Durch den nunmehr längeren Aufenthalt des Hundes in der Pension entstanden dem Kläger Mehrkosten in Höhe von 19,00 €.

Einen Tag vor der Abreise erklärte der Kläger gegenüber der Beklagten schriftlich, mit den Änderungen der Flugdaten nicht einverstanden zu sein. Er unterbereitete der Beklagten ein Vergleichsangebot hinsichtlich einer Entschädigung. Dieses Angebot lehnte die Beklagte ab.

Der Kläger und seine Familie traten die Reise unter den geänderten Bedingungen an.

Kläger stellte Ansprüche

Zurück in Deutschland erhob der Kläger Klage gegen die Beklagte vor dem AG München. Der Kläger behauptet, dass die Änderung der Flugdaten einen Mangel darstelle und er einen Anspruch auf eine Minderung in Höhe von100 % des Reisepreises für den ersten und letzten Urlaubstag habe. Zudem stünde ihm ein Schadenersatzanspruch in Höhe von 19 Euro für die zusätzlichen Hundepensionskosten zu.

In der mündlichen Verhandlung erklärte der Kläger, dass er die Reise nicht gebucht hätte, wenn der der Flughafen Leipzig von Anfang an als Abflughafen festgestanden hätte. Hätte er die Reise direkt von Leipzig aus gebucht, hätte er ein um 500 € günstigeres Pauschalangebot erhalten können.

Ferner erklärte er, dass er die Reise nach der Änderung der Flugdaten storniert hätte, wenn ihm die Änderungen nicht erst so kurzfristig mitgeteilt worden wären.

Durch den unterschiedlichen Abflugs- und Ankunftsort habe er die Abholung von sich und seiner Familie organisieren müssen.

Die Entscheidung:

Das AG München verurteilte die Beklagten zur Zahlung von 45,77 € nebst anteiligen vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten in Höhe von 83,45 € und einer Übernahme der Verfahrenskosten von 15 %. Im Übrigen wurde die Klage abgewiesen.

Zur Begründung führte das Gericht an, dass die Verlegung des Abflughafens einen Reisemangel darstelle. Die Wahl des Abflughafens sei eine bewusste Entscheidung des Reisenden. Ferner stelle sich der Reisende mit seiner Planung auf den  Abflugsort ein und treffe insoweit Entscheidung über den Transfer zum Flughafen, Parkmöglichkeiten etc.. Es handele sich um einen wesentlichen Bestandteil der Reise.

Die Änderung der Abflugzeit hingegen stelle keinen Reisemangel dar.

Kann ein geänderter Abflughafen einen Reisemangel darstellen

Für den Reisemangel hielt das AG München allerdings eine Minderung in Höhe von 15 % des Tagespreises für angemessen. Schließlich sei es nur ein Reisetag, nämlich der 03.06.2017, gewesen, der durch die Änderung des Abflughafens betroffen war. Der Abflugtag sei auch ohne eine Änderung der Flugzeiten ein Reisetag gewesen. Überdies habe der Kläger den Zielort bereits 40 Minuten früher erreicht, als ursprünglich geplant. Zusätzliche Kosten seien dem Kläger durch die Änderung der Flugdaten nicht entstanden . Auch seine Nachtruhe sei nicht gestört worden.

Gleichwohl sei zu berücksichtigen, dass der Kläger durch die Verlegung  eine verlängerte Anreise gehabt hatte. Weitere Unannehmlichkeiten hätten sich dadurch ergeben, dass der Abreise- nicht dem Ankunftsort entsprach.

Die Unterbringung des Hundes des Klägers während der Reisezeit sei nicht Vertragsgegenstand der Reise gewesen sei und falle daher nicht in den Schutzbereich des Reisevertragsrechts.

© Rechtsanwältin Annika Dölzer