Wildunfall – Haftung und Bergung des verendeten Tiers?

Wildunfall - Haftung und Bergung des verendeten Tiers?
Wildunfall – Haftung und Bergung des verendeten Tiers?

Spricht die Spurenlage plausibel für einen Haarwildunfall, muss der Teilkaskoversicherer Tatsachen vortragen, aus denen sich schlüssig ergibt, dass der Unfall nicht mit einem Haarwild erfolgt ist oder sich anderswo unter anderen Bedingungen abgespielt haben muss. Dies hat das Kammergericht Berlin entschieden (KG, Beschluss vom 05.06.2018 – 6U166/16) .

Der Sachverhalt:

Beklagte ist eine Autoversicherung. Kläger ist ein Autofahrer, der behauptet während einer Autofahrt einen Wildunfall erlitten zu haben.

Der Kläger befuhr mit seinem Auto eine Landstraße, als ihm plötzlich ein Tier vor das Auto lief. Ein Reh, wie der Kläger behauptete. Er rief umgehend die Polizei, die den Unfall im nächsten Dorf aufnahm. Die Polizeibeamten besichtigten das Fahrzeug und stellten Schäden im Frontbereich und an der rechten Autoseite fest, die durch einen Wildunfall entstanden sein könnten. An dem Fahrzeug wurde außerdem Blutspuren gesichtet.

Bei einer späteren Untersuchung des Fahrzeugs durch einen Sachverständigen wurde festgestellt, dass die Schäden im Frontbereich des Pkw “durch einen weichen Körper“ entstanden seien. Die Schäden an der rechten Autoseite seien auf einen streifenden Kontakt mit der Leitplanke zurückzuführen An dem Auto haftende Haare konnten als Wildschweinhaare identifiziert werden.

Der Kläger nimmt die Beklagte aus einer abgeschlossenen Teilkaskoversicherung in Anspruch und hat vor dem Kammergericht (KG) Berlin Klage erhoben. Die Beklagten verweigert die Auszahlung. Zur Begründung führt sie an, dass die Behauptungen des Klägers schwammig seien und dass die Haare, die an dem Fahrzeug gefunden wurden, nicht von einem Reh, sondern von einem Wildschwein stammen.

Die Entscheidung:

Das KG war von der Richtigkeit des wesentlichen Vortrags des Klägers überzeugt und gab dem Kläger Recht.

Ob sich der Unfall mit einem Reh oder einem Wildschwein ereignet habe, könne insoweit dahinstehen, als dass es sich bei beiden Tieren um Haarwild handele. Die Spurenlage spräche plausibel dafür, dass sich der Unfall so zugetragen habe, wie vom Kläger vorgetragen. Die Beklagte hätte schlüssig Tatsachen vortragen müssen, aus denen sich ergibt, dass der Unfall nicht mit einem Haarwild erfolgt sei oder sich anderswo unter anderen Bedingungen abgespielt habe.

Dass der Fahrer statt von einem Wildschwein von einem Reh gesprochen habe, könne durch den sehr kurzen Moment erklärt werden, in dem der Fahrer das Tier vor dem Unfall nur habe sehen können. Möglicherweise habe der Kläger das Tier vor dem Unfall auch gar nicht gesehen.

Wer muss die Bergung des Wilds bezahlen?

Das Verwaltungsgericht (VG) Hannover hat entschieden, dass die, an einem Wildunfall beteiligten Autofahrer, nicht für die Bergung und Entsorgung des Unfallwilds zahlen müssen. Mit seiner Entscheidung hat das VG Hannover verschiedene Leistungsbescheide der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr aufgehoben.

Die Behörde hatte die angefahrenen, herrenlosen und auf der Straße liegenden Tiere als Verunreinigung der Straße angesehen. Daraus leiteten sie die Pflicht des Autofahrers zur Beseitigung der Wildtiere ab. Unterlässt der Autofahrer die Bergung und Entsorgung der verendeten Tiere, habe er die dafür notwendigen Kosten zu tragen.

Wildunfall – Haftung und Bergung des verendeten Tiers?

Das VG Hannover (VG Hannover, Urteil vom 29.3.2017, 7 A 5245/16 ) und auch das niedersächsische Oberverwaltungsgericht (OVG Lüneburg , Urteil vom 22.11.2017 – 7 LC 34/17) sehen das anders. Die Vorschriften zur Straßenreinigung stelle keine taugliche Rechtsgrundlage für eine Kostenpflicht der von einem Wildunfall betroffenen Autofahrer dar. Im Übrigen sei das angefahrene Wild sei eine Sache des Jagdrechts. Der zuständige Jagdausübungsberechtigte dürfe sich nach § 1 Abs. 5 BJagdG das Wild aneignen und alles Nötige veranlassen.

Fazit:

Wenn Sie während einer Autofahrt einen Wildunfall erlitten haben, sollten Sie umgehend die Polizei verständigen. Nur diese kann Spuren am Unfallort zuverlässig gesichern. Außerdem sollten Sie sobald als möglich nach dem Unfall ein Gedächtnisprotokoll niederschreiben, um den Unfallhergang im Streitfall plausibel darstellen zu können.

Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf und wir unterstützen Sie bei Rechtsfragen rund um Ihren Wildunfall.

 

© Rechtsanwältin Annika Dölzer